Wer verarscht hier eigentlich wen?

26 06 2009

Das die Privat-Fernsehsender nun nicht gerade für Bildungsfernsehen stehen, dass ist gemeinhin seit längerem bekannt. Besonders etabliert haben sich ja im Nachmittagsprogramm sogenannte Reality-Soaps, die einen mehr oder weniger großen Einblick in das „normale“ Leben geben sollen. Doch wer verarscht hier eigentlich wen?

Sind es die TV-Sender die ihrem Publikum das „wahre“ Leben vorgaukeln wollen? Mitnichten muss man feststellen, dass zumindest die Zuschauer eben auch genau das sehen wollen. Schlüssel-Schloss-Prinzip, ist gebongt. Also will ich jetzt hier nicht den großen Moralapostel spielen. Ich überlasse auch wirklich jedem selbst, ob er sich auf diese öffentliche Schlachtbank führen lassen will, oder nicht. Doch wenn schon das „wahre“ Leben gezeigt werden soll, warum wird es nicht gezeigt? Und hiermit wären wir wieder bei meiner Titelfrage.

Pro7 (We are family/U20 – Deutschland deine Teenies): Da läuft vor 3 Wochen ein Bericht über eine junge Familie mit Kind und einer Mutter die die beiden ständig maßregelt und drängelt, endlich etwas aus ihrem Leben zu machen. Während die Jungfamilie in ihrer eigenen Wohnung versifft und das Kind in unhygienischen Verhältnissen aufwächst, hetzt die Mutter ihnen das Jugendamt auf den Hals und am Ende möchte die Tochter ihren Schulabschluss nachholen und alles wendet sich augenscheinlich zum Guten.

RTL (Mitten im Leben): Da zappe ich heute durch das Nachmittagsprogramm und tadaa, ich erkenne sofort die junge Familie wieder. Erst wunder ich mich noch, warum RTL nun schon Wiederholungen von Pro7 zeigen muss, aber weit gefehlt. Wieder geht es um die junge Familie mit Ihrer Tochter, doch diesmal wohnen die beiden noch zu Hause bei Ihrer Mutter (was nicht zu vernachlässigen ist, denn im letzten Bericht war dies angeblich noch deren eigene Wohnung). Wieder wird die Geschichte einer zerrütteten Beziehung zwischen Mutter und Tochter erzählt, die unhygienischen Verhältnisse für das Baby angeprangert und eine Menge „Experten“ vom Jugendamt und Psychologen werden zu Rate gezogen. Am Ende ziehen die beiden von zu Hause aus und es wird nicht verwundern, der geneigte Zuschauer hat am Ende das Gefühl, das alles in Ordnung kommen wird.

Doch ganz im Ernst, ruft die junge Familie bei den Sendern an und spielt denen eine perfekte Geschichte vor? Oder engagieren die Sender solche Familien quasi und es gibt ein Drehbuch? Warum macht das Jungendamt bei so etwas mit? Oder anders gefragt, wenn es nicht das richtige Jugendamt ist, warum duldet man so ein Negativ-Image, dass da vom Amt vermittelt wird?

Fragen über Fragen; Doch die entscheidendste kann ich nicht beantworten: Wer verarscht hier eigentlich wen?


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6 Antworten

27 06 2009
F

Es gab doch auch mal so einen Bericht über Talk Show – Hopper.

So wie ich das lese, müsste ja die Folge von Pro7 an die von RTL ansetzen, wenn die Kinder jetzt ausgezogen sind und bei Pro7 angeblich alleine wohnten… Äh… weird!

27 06 2009
John-Patrick

ja eigentlich hast du vollkommen recht. aber selbst wenn das jetzt von der reihenfolge her stimmen würde, dann müßten die ja quasi alle 2 wochen besuch vom jugendamt haben……….wo finden sie vor allem immer die ärzte/jugendämtler, psychologen etc. die da mitmachen?

28 06 2009
Kassiopaia

Die Ärzte und Co. sind bestimmt Nebendarsteller von Dr. House, schwester Stefanie und so.

28 06 2009
F

Dr. House beschäftigt nicht solche Flaschen. :-)

12 08 2009
♥Неппу Rubyпšteyп♥

>>Wer verarscht hier eigentlich wen?<<
niemand.

das ist ganz sicher Fiktion, Spielfilm im Gewand von Dokumentarfilm.

talk-show,
gerichts-show
casting-show
lebenshilfe-show

10 10 2009
Schoki & Kaffee

Die TV Sender buchen für ihre Verblödungsshows solche Leute über Agenturen. Anschließend bekommen diese ein Drehbuch mit viel Zoff und Herzschmerz in die Hand, damit der Zuschauer auch bei der Stange bleibt. Und so kommt die verlotterte Familie mit der schlagenden Mutti, dem ewig besoffenen Vater, der Harz 4 Tochter samt ihrer 3 Kinder zur Belustigung der Massen im Privatfernsehen.
Erbringt die Show dann beispielsweise auf Pro7 eine gute Quote, bucht man die Leute gleich für ähnliche Sendungen mit jeweils einer anderen Geschichte erneut, damit RTL2, Sat1 und Co. auch ihren Spaß dran haben.
Auf diese Weise produzieren die Sender super billiges Fernsehen und verdienen ordentlich an den Werbeeinnahmen.
Würden sie dagegen Nachmittags US Serien, wie in den 80ern und 90ern zeigen, wären die Unkosten für die Sender viel höher und man müsste wieder bei den Mitarbeitern sparen um die Aktionäre zufrieden zu stellen.
Auf diese Weise geht die Qualität der privaten TV Sender von Jahr zu Jahr immer mehr zum Teufel.

Aber wer sowas guckt, dem ist eh nicht mehr zu helfen. Gell JP?

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