Der Hamburger Dom! Als Hamburger bedeutet das 3 mal im Jahr eine Menge Feuerwerk, überteuerte Preise, viel Lichtgeplänkel und sofern man das nötige Kleingeld dafür hat, sogar eine Menge Spaß!
Ein Besuch ergab sich vor einiger Zeit mit meiner Berlinerin. Dosenwerfen und Wasserbahn fahren sind natürlich Pflichtprogramme auf dem Hamburger Dom. Und das der letzte Besuch ein wenig zurückliegt, spiegelte sich nicht zuletzt in meinen bescheidenen Dosenwerferfolgen wieder. Und so schön meiner Berlinerin das kleine gewonnene Plüschmäuschen auch stand, es überlebte den Dombesuch nicht einmal bis zum Ende. Fatal auf dem Dom sind besonders die Gerüche; Würstchen, Zuckerwatte, Mais und frisch gegrilltes lassen mir das Blut regelmäßig in eine bestimmte Region schießen (ich spreche natürlich vom Magen
).
Da kam uns die Wasserbahn gerade recht und sorgte für die benötigte Abkühlung. Diese war auch dringend nötig, denn ein wenig später, da stand es! Groß und hoch ragte etwas von der Erde in den Himmel! Rotierend bewegte es sich! Das Riesenrad!! „Europas größtes“ stand daran und ich wurde kreidebleich als ich in die großen leuchtenden Augen meiner Berlinerin schaute. Ich war noch nie auf dem Riesenrad, ich kannte auch nie Leute die gerne Riesenrad gefahren sind und sowieso fand ich dieses Ding schon immer doof. Hamburg von oben hab ich schließlich zu Hause jeden Tag und besonders die Rad-Konstruktion an sich löste in mir nicht die Freude aus, wie sie vielleicht erwartet wurde (es lebe die Höhenangst). Freudig wie ein kleines Kind schaute mich also diese Berlinerin an, ja, sogar eine gewisse Erwartungshaltung meinte ich erkennen zu können.
„Ich will da nicht hoch!“ entgegnete ich.
„Aber warum denn nicht? Bist du denn kein bisschen romantisch? Magst du deine Stadt denn nicht mal von oben sehen?“ Heftiges Kopfschütteln.
„Och komm schon, bitte!“, sagte Sie mit dem hämischen Grinsen eines Teufels.
„Ich habe Höhenangst“, versuchte ich ihr verzweifelt klar zu machen. „Und was ist, wenn die Gondel abstürzt?!“
„Ach was, die kann gar nicht abstürzen“, erwiderte Sie lächelnd (Anm. d. Red.: auslächelnd würde es auch treffen *g*). „Und runter gucken musst du auch nicht, dann wird dir sicher nicht schlecht.“ (na toll
)
Erwartungsfrohe Blicke, bittende Blicke. Ihr Kopf versuchte wackelnd mir schneller ein Ja zu entlocken, als es ein Wackeldackel in Bestform geschafft hätte.
Ich hätte alles gegeben jetzt einfach weiterzugehen. Mir reicht es durchaus das Riesenrad jeden Tag aus meinem Fenster zu sehen, drin sitzen musste jetzt echt nicht sein, auch wenn es das größte Hamsterrad der Welt wäre.
Aber dann kam der Satz vor dem ich wirklich Angst hatte! Sie atmete ein letztes Mal tief ein, und legte los: „Und, wenn ich es möchte? Und du magst mich doch oder und da willst du bestimmt auch, dass ich glücklich bin. Und ich wäre verdammt glücklich mit dir zusammen dort oben!“
Das Totschlagargument für jeden Mann! Und das wusste sie, sie wusste es ganz genau *gequält grins* Hüpfend und fröhlich zog mich also die Berlinerin ins Riesenrad. Da saßen wir nun: Sie knipsend und bis über beide Ohren strahlend, meine Wenigkeit zitternd, ängstlich und fest an sie klammernd. Wirklich wahrnehmen konnte ich nur die Glückseeligkeit meiner Berlinerin, welche mir immerhin das Gefühl gab, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, hier mitzufahren. Selten erlebte ich also einen schlimmschöneren Mix aus Gefühlen! Angst und Glück im schnellen Wechsel sowie die behütete Geborgenheit meiner Berlinerin machten die Fahrt dann aber doch erträglich.
Und als die längsten 3 Minuten meines Lebens vorbei waren, freute ich mich bereits auf die Fünfer-Looping-Achterbahn.
Und was die Berlinern von dieser Idee hielt, könnt ihr hier nachlesen *klick*
„lassen mir das Blut regelmäßig in eine bestimmte Region schießen (ich spreche natürlich vom Magen
).“
na, etwas anderes wäre auch irgendwie creepy gewesen…;-P